Warum Donald J. Trump nicht einfach „fallen“ wird.
Die Vorstellung, dass Donald J. Trump trotz seiner unsäglichen innen- und. außenpolitischen Aktivitäten innerhalb seiner zweiten Amtszeit von „der Mehrheit der Amerikaner“ oder gar von seiner eigenen Republikanische Partei gestürzt wird, wirkt bei der Dreistigkeit und Eigennützigkeit seiner Handlungen und Aussagen auf den ersten Blick wahrscheinlich – ist bei näherer Betrachtung jedoch ein politischer Trugschluss. Sie entspringt weniger der Realität des amerikanischen demokratischen Systems als vielmehr einem medial arrangierten dramatischen Narrativ, das komplexe Prozesse auf ein scheinbar klares Ereignis reduziert.
In der Geschichte der Vereinigten Staaten gab und gibt es keinen plötzlichen, parteiinternen „Sturz“ im klassischen Sinne. Machtwechsel erfolgen entweder über institutionalisierte Verfahren: Wahlen, Vorwahlen, parteiinterne Konkurrenz oder – in extremen Fällen – verfassungsrechtliche Instrumente. Selbst das historisch oft zitierte Beispiel von Richard Nixon zeigt, dass ein Rücktritt erst unter außergewöhnlichem Druck möglich wurde, als sich im Zuge des Watergate-Skandal parteiübergreifend eine klare Mehrheit gegen ihn formierte.
Ein solcher Konsens ist heute, in einer zutiefst polarisierten politischen Landschaft, deutlich schwerer vorstellbar.
Trump unterscheidet sich zudem strukturell von vielen früheren Politikern: Seine Macht basiert weniger auf klassischen Parteieliten als auf einer stark personalisierten und loyalen Wählerbasis. Diese Bindung erschwert es der Partei erheblich, sich geschlossen von ihm zu lösen, selbst wenn interne Spannungen bestehen.
Gleichzeitig sorgt die mediale Fragmentierung heute dafür, dass politische Realitäten unterschiedlich wahrgenommen werden – ein Umstand, der schnelle und eindeutige Meinungsumschwünge unwahrscheinlich macht.
Wenn sich Trumps Einfluss also verändert, dann nicht durch einen dramatischen Bruch, sondern durch schleichende Prozesse: Wahlniederlagen, das Auftreten ernstzunehmender innerparteilicher Konkurrenz oder eine allmähliche Erosion seiner Unterstützung. Der entscheidende Punkt ist dabei, dass politische Macht in den USA nicht „gestürzt“, sondern verloren wird – langsam, in Etappen und durch das Zusammenspiel vieler institutioneller Mechanismen.
Der in der letzen Zeit von einigen für möglich gehaltene „große Sturz“ bleibt trotz verunglücktem Iran Krieg und zunehmender internationaler Verstörung über den Präsidenten vor allem eines: eine eingängige, aber irreführende Erzählung. Die Realität ist komplexer, weniger spektakulär – und gerade deshalb politisch bedeutsamer.